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Thread: Kinder von Wehrmachtssoldaten : Moffenkinder nannte man uns

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    Unhappy Kinder von Wehrmachtssoldaten : Moffenkinder nannte man uns

    Kinder von Wehrmachtssoldaten : Moffenkinder nannte man uns



    Bild: Illustration Kat Menschik

    Sie sind die Söhne und die Töchter von Wehrmachtssoldaten. Als sie in den Niederlanden aufwuchsen, wussten sie nicht, wer ihre Väter waren. Alle anderen aber tuschelten: Drei erzählen von ihrem Schicksal.

    Monika Diederichs
    Meine Tante hat mich „Moffenkind“ genannt. Ich verstand das nicht. Damals kannte man ja noch diese gemütlichen Handwärmer, die hießen „moffen“. Aber so, wie meine Tante es sagte, klang es gemein. Das war nicht das einzige Rätsel meiner Kindheit. Wenn wir bei meiner deutschen Oma waren, gingen wir jeden Tag auf den Friedhof, und da stand mein Name auf einem Grabstein! Ich konnte ja kein Deutsch, und meine Oma sprach natürlich kein Niederländisch. Ich wusste nicht, dass Aloys Diederichs, der dort begraben lag, mein leiblicher Vater war. Und ich konnte nicht lesen, was genau in den Stein gemeißelt war: nämlich, dass er eine Tochter namens Monika hinterlasse. Das war ich, geboren im Juli 1945.

    Dass drei Omas eigentlich eine zu viel sind, fiel mir als Kind auch nicht auf. Ich war wahnsinnig gern in Heimbach-Weis, das heute zu Neuwied gehört. Allein schon das Kaffeetrinken nachmittags um vier - das ist sowieso das Beste an Deutschland. Ich war schon dreizehn, als ich einmal allein durch das Haus lief und in einem Zimmer das eingerahmte Foto eines Jungen sah. Ich dachte, ich schaute in einen Spiegel! Auf einmal ergab alles Sinn. Das war ein Kinderfoto meines Vaters. Aber ich habe niemandem etwas gesagt. Erst als ich älter war, hat meine Mutter mir gestanden, dass Papa gar nicht mein echter Papa sei, sondern dass mein Vater Ali genannt wurde, in der Wehrmacht gekämpft hatte und 1947 gestorben war. „Ich will keinen Moffen-Vater“, rief ich.

    Ich habe auch danach mit niemandem darüber gesprochen. Vor kurzem hat mich meine Mutter angerufen, sie lebt seit 55 Jahren im selben Wohnviertel von Amsterdam. Sie sagte: „Ich habe es gesagt.“ Was hast du gesagt? „Das mit dir und Ali.“ Wem hast du es gesagt? „Den Nachbarn. Aber sie wussten es schon.“ Ich war Mitte vierzig, als ich erstmals im Radio etwas über Kinder von Wehrmachtssoldaten hörte. Bis zum Anfang der neunziger Jahre habe ich gemeint, ich wäre das einzige Kind mit einem Vater aus der Wehrmacht. Dabei habe ich sogar Geschichte studiert.

    So kam mir die Idee mit der Doktorarbeit. Ich durchforstete die Archive, aber ich fand nichts. Nur ein paar Fotos von Frauen, die nach Kriegsende 1945 in niederländischen Städten auf offener Straße kahlrasiert wurden, weil man sie als „Moffen-Huren“ beschimpfte. Ich ging auf die Suche und habe schließlich mit 56 Frauen sprechen können, die sich während der Besatzung mit deutschen Soldaten eingelassen hatten. Viele kommen heute noch ins Schwärmen, wenn sie ans Kennenlernen zurückdenken: Die Deutschen waren exotisch für viele Niederländer, man traf damals ja nicht jeden Tag einen Ausländer. Und so fern der Heimat wirkten viele Wehrmachtssoldaten offenbar sehr romantisch auf junge niederländische Frauen. Die Besatzer traten in den Niederlanden ja anfangs nicht so brutal auf wie anderswo. Die Nazis sahen in uns ein „Brudervolk“.

    Als ich fertig war mit den Interviews, sagten mir die Professoren, sie taugten nicht für eine Doktorarbeit, weil ich die Frauen nur verteidigen wolle. Ich glaube, es gibt hier immer noch zu große Vorbehalte, um das Thema offen angehen zu können. Ich habe das Buch trotzdem veröffentlicht. Meine Mutter hat es nicht gelesen. Aber sie hat mir alles erzählt.

    Sie lernte ihren Ali an Ostern ’43 kennen, beim Spazieren in Amersfoort, er war dort stationiert, er gehörte zum Hermann-Göring-Bataillon. Ja, er stand wohl echt hinter Hitler. Jedenfalls habe ich einen Brief von ihm gelesen, in dem er voller Abscheu über das versuchte Attentat „auf unseren Führer“ schimpfte. Mein Vater wurde bald nach Berlin beordert. Meine Mutter wollte unbedingt mit nach Deutschland. Sie landete als Hausmädchen in Heidelberg. Wahrscheinlich wusste sie nicht, dass das von Berlin so weit weg ist wie Amersfoort. Mein Vater musste dann an die norditalienische Front. Er verlor seine Augen, als eine Landmine explodierte. Er kam ins Lazarett nach Stuttgart. Mein Opa fuhr nach Heidelberg, um es meiner Mutter zu sagen. Sie zog dann zu den Eltern meines Vaters, irgendwann kam er auch dorthin. Auf dem Dachboden in dem Haus habe ich später zwei Paar Glasaugen gefunden, zwei braune und zwei blaue.

    Meine Eltern heirateten, aber mein Vater starb 1947 an Tuberkulose. Ich glaube, für Deutsche war es nach dem Krieg schwer, an Penicillin heranzukommen. Meine Oma wollte damals, dass meine Mutter heimgeht und ich in Deutschland bleibe. Aber Mutter nahm mich mit. Das war nicht einfach. Die Züge fuhren zur Grenze, da war dann Schluss. Und ich hatte keine niederländischen Papiere. Doch meine Mutter setzte sich durch. Sie heiratete dann ihre Jugendliebe, da war ich vier. Er hat sie immer beschützt vor dem Gerede der Leute.

    Als Jugendliche musste ich manchmal zur Ausländerpolizei. Mama sagte, das sei so, „weil du den grünen Pass hast“. Wenn wir nach einem Urlaub bei Oma wieder nach Holland fuhren, hat sie beim Vorzeigen der Pässe meinen deutschen immer zwischen den beiden niederländischen versteckt. Ich habe früh geheiratet. Kaum hatte ich auf dem Standesamt ja gesagt, dachte ich: Endlich Niederländerin! Im deutschen Konsulat wollte ich meinen Pass abgeben. Doch die Frau sagte mir mit einem Akzent, der noch krasser war als der von Prinz Bernhard: „Für uns bleiben Sie immer eine Deutsche.“

    Wenn ich heute von meiner Herkunft erzähle, sagen immer noch viele: „Ach, du bist ein Mof!“ Sogar die Schwester von meinem früheren Freund hat das gesagt. Sie meinte es nicht böse. Aber es stört mich. Ich hatte hier in Haarlem zwei Cafés. Einmal kam eine meiner Kellnerinnen rein und sagte, die Moffen draußen wollten zwei Cappuccinos. Fast hätte ich sie entlassen. „Ich bin auch ein Mof“, habe ich gesagt. In den vergangenen Jahren habe ich mich oft darüber geärgert, wie man in den Niederlanden mit uns Kriegskindern umgeht. Und überhaupt, wie undifferenziert und moralistisch hier auf die Deutschen geblickt wird. Darum habe ich mir mit Riesenaufwand in Neuwied die Papiere beschafft, um auch wieder einen deutschen Pass zu bekommen. Der ist jetzt mein ganzer Stolz. Dabei würde ich schon sagen, dass die Niederlande mein Vaterland sind. Auch wenn mein Vater eben aus Deutschland war.

    Ab van Aldijk
    Meine erste Kindheitserinnerung ist, wie erwachsene Leute an der Schleuse in der Nähe von unserem Bauernhof in die Gracht springen. Sie waren ganz fröhlich. Das muss 1945 gewesen sein, also war ich drei. Die Männer fischten Lebensmittelpakete aus dem Wasser. Die Alliierten hatten sie aus der Luft abgeworfen. Der Hof lief nicht gut. Mein Pflegevater produzierte Blumenzwiebeln. Aber damals hatten die Leute andere Sorgen als ihre Gärten. Ich habe viel allein gespielt, meistens Soldat. Die nächsten Nachbarn wohnten 300 Meter entfernt. Wenn sie mich sahen, riefen sie: „Du bist ein Moffen-Junge.“ Zuerst verstand ich das nicht. Aber als ich mit sechs Jahren zur Schule kam, habe ich schon kapiert, dass der Vater, bei dem ich lebte, nicht mein Erzeuger war. Wenn man auf dem Land aufwächst, dann weiß man ja, wie Kinder gemacht werden. Aber meine Pflegeeltern taten, als wäre nichts, und ich spielte mit. Da wurde ein ziemlicher Zirkus betrieben: Wenn es Zeugnisse gab, gab mir der Lehrer eines auf den Namen meiner Pflegefamilie - das echte mit meinem eigentlichen Namen schickte er heimlich per Post.

    Meine Noten waren schlecht. Die Lehrer bestraften mich viel öfter als die anderen. Ich bin davon richtig krank geworden. Ständig hatte ich Herz- und Bauchschmerzen. Ich wollte als Funker zur See fahren. Aber das Jugendamt erlaubte das nicht. So kam ich auf eine Fachschule. Später habe ich als Elektrotechniker für die Stadt Amsterdam gearbeitet. Meine Eltern haben mir erst die Wahrheit gesagt, als ich 16 war. Aber nur, dass sie nicht meine leiblichen Eltern sind. Nicht, dass mein Vater Deutscher war.

    Mit 27 habe ich geheiratet. Da hat mir das alles keine Ruhe mehr gelassen. Ich konnte meine Akte lesen. Ich erfuhr, dass mein Vater in der deutschen Kriegsmarine war. Da war ich sehr erleichtert. Die Marine hatte nichts mit der Judenvernichtung zu tun. Aber die eigentliche Überraschung war Fritz. Meine Mutter hatte noch einen Sohn zur Welt gebracht. Ich habe meinen Halbbruder dann in München ausfindig gemacht. Er war dorthin gezogen und hatte perfekt Deutsch gelernt, weil er sich zusammengereimt hatte, dass er einen deutschen Vater hatte. Dabei stimmte das gar nicht. Ich war der mit dem deutschen Vater, Fritz war von einem Niederländer gezeugt worden. Der kam am Tag der deutschen Kapitulation ums Leben. Er lebte auf dem Land. Und er wurde auf dem Plumpsklo erschossen. Das war ein Freudenschuss, weil die Deutschen besiegt waren. Es wusste wohl keiner, dass Fritz’ Vater auf dem Balken saß. Fritz ist sehr schwermütig geworden, als er das erfuhr. Kurz hinter Augsburg ist er aus dem Zug gesprungen. Jetzt ist er seit 25 Jahren tot.

    Das macht mir immer noch zu schaffen. Ich hatte mich mit Fritz sehr gut verstanden. Nach seinem Tod habe ich zehn Jahre lang psychologische Hilfe gebraucht. Fritz hatte mich zu unserer Mutter geführt. Er wusste, wo sie wohnte, aber er mochte sie nicht. Einmal fragte er sie nach seinem Halbbruder. Da sagte sie ihm, der sei geistesgestört. Also standen wir eines Tages vor ihrer Tür, Fritz zeigte auf mich und sagte: „Hier steht dein verrücktes Kind.“ Meine Mutter war eine echte Killer-Frau, der Empfang war eiskalt. Aus meiner Akte wusste ich, dass ich mit zwei Monaten ins Heim gekommen war. Ich fragte meine Mutter nach meinem Vater. Sie sagte, dass sie in Den Helder zusammengewohnt hätten und dass er Alfred Wiedenhof heiße. Später habe ich erst herausbekommen, dass der Nachname in Wirklichkeit etwas anders lautete.

    Es gab eine neue Vereinigung von Kindern deutscher Soldaten. Da sind wir zusammen auf die Suche gegangen. Wir schrieben Briefe an das deutsche Bundesarchiv. Was für eine gigantische Behörde! In meinem Ordner habe ich alles aufbewahrt. Im Jahr 2000 schrieb mir die „Deutsche Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht“, dass ein Alfred Wiedenhöft, geboren am 25. Juli 1917, mit seiner Marineeinheit in den besetzten Niederlanden stationiert war. Er war 1969 gestorben. Jemand half mir, seine Familie in Wesel am Niederrhein aufzuspüren. So habe ich erfahren, dass ich noch zwei Halbbrüder und eine Halbschwester habe. Sie haben mir zwei Fotos geschickt: mein Vater mit anderen Matrosen in einem Bus, das muss aus Kriegszeiten sein. Und ein Porträt von ihm kurz vor seinem Tod. Aber seitdem bekomme ich keine Antwort mehr. Einmal habe ich angerufen, aber die Frau war ganz feindselig am Telefon. Ich traue mich nicht, einfach nach Wesel zu fahren. Bestimmt schlagen sie mir die Tür vor der Nase zu. Dabei will ich doch nur ein paar Dinge wissen: War mein Vater nett? Hatte er Hobbys? Welche Krankheiten hatte er? Das wollen meine Ärzte wissen.

    Unsere Vereinigung organisiert fast keine Treffen mehr, das ist vorbei. Aber noch vor ein paar Tagen rief jemand an, der eben erst herausbekommen hatte, dass sein Vater Deutscher war. Das hat er siebzig Jahre nicht gewusst. Doch viele, die sich melden, kennen gerade einmal den Vornamen des Vaters. Damit lässt sich nichts ausrichten. Ein einziges Mal bin ich am 4. Mai zum Kriegstotengedenken nach Amsterdam gefahren. Aber da habe ich mich nur geärgert. Alle fühlten sich so wichtig, und über die Deutschen wird nur schlecht geredet. Ich bin lieber ein Mof als ein Niederländer. So oft ich kann, fahre ich in die Eifel. Da habe ich Freunde gefunden, mit denen ich auf die Jagd gehe. Ich bin sehr gern in Deutschland. Das habe ich einfach in mir.


    Willi van der Vaart
    Wenn ich an meine frühe Kindheit denke, dann sehe ich mich im Bett liegen und fürchterlich weinen, aber keiner sieht nach mir, obwohl unten lauter Stimmen zu hören sind. Es stimmt schon, meine Pflegemutter hatte es auch nicht leicht. Als sie mich 1945 mit zwei Jahren als Pflegetochter aufnahmen, waren sie und ihr Mann schon um die fünfzig. Er war Polizeiinspektor, und da bekam er nach dem Krieg Ärger. Er wurde sogar für eine Zeit in Kamp Vught eingesperrt, dem Konzentrationslager der SS. Da bekam er weder Gehalt noch Rente. Darum hat meine Pflegemutter Zimmer vermieten müssen, weshalb immer Unruhe im Haus war. Als ich mich in späteren Jahren auf die Suche begab, fand ich sogar eine Frau, die bei uns gewohnt hat und meine Erinnerungen bestätigt: Ich heulte und heulte, aber keiner scherte sich um mich. Andererseits war meine Pflegemutter sehr stolz auf mich, und ich wurde eine brave, gute Schülerin, die ihr alles recht machen wollte.

    Alle in der Nachbarschaft wussten, dass mein Pflegevater als Kollaborateur verdächtigt wurde und dass ich ein „Moffenkind“ war. Ich weiß nicht mehr, ob ich acht oder neun Jahre alt war, als ich meine Pflegeeltern darauf ansprach, aber sie stritten rundweg ab, nicht meine Eltern zu sein. Als ich in der Pubertät war, wurde meine Pflegemutter immer hysterischer. Sie hatte mich protestantisch aufgezogen, aber die pädagogische Hochschule, an der ich mich auf den Lehrerberuf vorbereitete, war katholisch. In diesem Glauben fühlte ich mich wohler, und darüber haben wir uns so zerstritten, dass meine Pflegemutter mich hinauswarf. Dem Hochschuldirektor sagte sie am Telefon, ich sei ohnehin nicht ihr Kind, sondern die Tochter eines Deutschen, geboren in der Amsterdamer Boerhaave-Klinik. Die hatte die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt nach der Besatzung übernommen, um die Deutschen zu versorgen - und um auf der „Entbindungsanstalt“ deren niederländische Freundinnen ihre Kinder gebären zu lassen. Außerdem sagte meine Mutter dem Direktor, mein Name sei nicht Willi Bezooijen, sondern Willi van der Steen. Am nächsten Tag teilte ich meinen Lehrern mit, dass ich einen neuen Namen habe.

    Jetzt trage ich meinen dritten Nachnamen. Meinen Mann habe ich mit 22 Jahren geheiratet. Dafür brauchte ich die Zustimmung meiner leiblichen Mutter, weil ich noch keine dreißig war. So war das damals noch! Die Mutter meines Verlobten arbeitete bei der Stadtverwaltung und konnte meine Mutter ausfindig machen. Wir baten unseren Pfarrer, Kontakt mit ihrem Pfarrer aufzunehmen. Der meldete uns, dass sie mich nicht treffen wollte, aber das war mir damals nicht so wichtig. Hauptsache, die Papiere waren da und mein neues Leben konnte beginnen.

    Doch mit vierzig Jahren bekam ich Angstzustände. Wie so viele von uns begann ich in der Midlife Crisis, nach meinen Eltern zu fahnden. Mein Hausarzt fand über die Krankenkasse heraus, zu welchem Arzt meine Mutter ging. Sie war 78 Jahre alt, ich war entschlossen, eine Beziehung zu ihr aufzubauen. Ich gab mein Bestes, aber sie blieb völlig desinteressiert. Erst beim vierten Treffen wagte ich es, Fragen zu stellen. „Wenn du wissen willst, wer dein Vater ist - da ist die Tür“, sagte sie. Ich kenne bis heute weder seinen Vor- noch seinen Nachnamen. Meine Mutter hat nur gesagt, sie sei das Hausmädchen meines Vaters gewesen. Er habe sie vergewaltigt. Aber das glaube ich ihr nicht.

    Ich habe meine Geschichte im Fernsehen erzählt. Wir werden ja totgeschwiegen in den Niederlanden, wir kommen im nationalen Opfer-Kanon nicht vor. Deshalb ist der Mai-Anfang mit den Gedenkfeiern immer eine seltsame Zeit für mich. Ich möchte auch gern einmal einen Kranz in Amsterdam niederlegen. Aber wir müssen die Last auf unseren Schultern mit eigener Kraft abschütteln. Ich schaffe das! Deutschland war für mich früher ein Schrecken, jetzt macht es mir große Freude, das Land zu entdecken. Ich bin doch eine halbe Deutsche! Mir gefällt die Höflichkeit der Menschen sehr, das gibt es bei uns in den Niederlanden nicht mehr so. Aber Deutschland macht mich auch traurig. Denn wahrscheinlich werde ich nie erfahren, ob dort noch Halbgeschwister von mir leben.



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    Het is een zwarte bladzijde uit onze gemeenschappelijke geschiedenis. Laten we het daar maar op houden.



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    Over zwarte bladzijden gesproken:

    Niederländer und Deutsche : Von den Moffen zu Lieblingen




    In ihre Sprache ziehen deutsche Begriffe ein, und die Demokratie des Nachbarn ist gar nicht schlechter als die eigene: Warum die Niederländer zu ihrer eigenen Verblüffung auf einmal die Deutschen mögen.

    Deutschland ist unter Niederländern auf eine Weise populär geworden, die noch vor zwanzig Jahren undenkbar war. Seit 2006 aber sind die Deutschen laut Umfragen die beliebtesten Nachbarn der Niederländer. Nun könnte man spotten und sagen: Kein Kunststück bei der Auswahl, denn die Niederlande haben nur zwei direkte Nachbarn. Die anderen sind die Belgier. Und im Westen ist das Meer. Ja, Nachbarn kann man sich nicht aussuchen, Urlaubsziele aber schon. Deutschland ist inzwischen auch Reiseziel Nummer eins der Niederländer und hat Frankreich auf Platz zwei verwiesen.

    Es gibt derzeit ein Dutzend aktueller Bücher niederländischer Publizisten, die Deutschland offen und voller Sympathie beschreiben: als Land mit höflichen Menschen, schönen Landschaften wahlweise mit oder ohne Berge, leckerem Essen und einem aufgeklärten Blick auf die deutschen Vergangenheit. Man könnte fast rot werden.


    „Dann musst du ja unter lauter Deutschen wohnen“
    Die Buchtitel lassen keinen Zweifel zu. „Warum wir auf einmal die Deutschen lieben – und sie darüber erschrecken“ betitelte Merlijn Schoonenboom, Deutschland-Korrespondent der führenden Tageszeitung „Volkskrant“, sein Buch. Dann kam Sietse van der Hoek mit „Alles klar – Deutschland von A bis Z“, das beschreibt, wie Deutschland in niederländischen Augen so hip wurde. Von Wouter Meijer, dem langjährigen Deutschland-Korrespondenten des niederländischen Rundfunks (NOS), erschien erst im März „Wir können nicht alle Deutsche sein – Was wir von Deutschland lernen können“. Im Frühjahr widmeten die Niederlande ihre Buchmesse, die „boekenweek“, dem Nachbarland – zum ersten Mal (F.A.Z. vom 12. März) –, und umgekehrt werden die Niederlande und Flandern im Herbst Gastland der Frankfurter Buchmesse sein.

    Legendär waren die Schwierigkeiten des niederländischen Rundfunks, noch in den neunziger Jahren geeignete Leute als Korrespondenten nach Deutschland zu schicken. „Haben sie nichts Besseres für dich gehabt? Dann musst du ja unter lauter Deutschen wohnen“, hätten ihm seine Kollegen gesagt, erinnert sich Philippe Remarque von der „Volkskrant“.

    Dem Erfolgsschriftsteller Leon de Winter war bei der Boekenweek das Erstaunen anzumerken: „Die Deutschen sind in den Augen der Niederländer ein sehr einnehmendes Volk geworden, uns sehr nah. Sie sind sehr sensibel, und sie haben ein unglaubliches Bewusstsein für ihren Platz in der Welt und die Geschichte.“ De Winter, geboren 1954 im Osten der Niederlande, stammt aus einer Familie armer orthodoxer Juden. Seine Eltern überlebten als Einzige in der Familie den Holocaust.

    Abfällige Bemerkungen über Deutsche kamen früher gut an
    Die Niederlande haben siebzehn Millionen Einwohner, Deutschland hat etwa achtzig Millionen. Und kleinere Nachbarn pflegen ihre großen mit einer Mischung aus Respekt, Bewunderung, Abneigung und Angst anzusehen. Viele Niederländer verfolgen die deutsche Politik ziemlich regelmäßig, umgekehrt dürften die meisten Deutschen kaum wissen, wer das Nachbarland gerade regiert. Damit lässt es sich für die Niederländer leben. Schmerzhafter ist, dass im Nachbarland auch nicht zur Genüge bekannt sein dürfte, dass die Niederlande im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen besetzt waren - und welche Wunden das geschlagen hat. Es gab Deportationen, Strafaktionen und einen schrecklich kalten Hungerwinter 1944/45. Die Besetzung von 1940 war ein Überfall durch den großen Nachbarn, obwohl der kleine auf die eigene Neutralität gebaut hatte.

    Nach dem Krieg pflegten die Niederlande lange Jahre ein recht schlichtes Feindbild: Die Deutschen waren einfach und beleidigend „Moffen“. Sie galten als unsympathische Menschen, die rumbrüllen und im Krieg den Niederländern die Fahrräder gestohlen hatten. Als ob nichts gewesen wäre, kamen sie von den fünfziger Jahren an in Scharen wieder als Urlauber an niederländische Strände und bauten Sandburgen, was Niederländern fremd ist, weil sie Burgen aus Sand für Platzverschwendung halten.

    Über Deutsche durfte man abfällige Bemerkungen machen. Das kam immer gut an, wie sich Dik Linthout erinnert, der jahrzehntelang als Lehrer und Schriftsteller an der Nahtstelle zwischen den beiden Nationen gearbeitet hat: „Auf politische Korrektheit musste man bei Deutschland und den Deutschen nicht achten.“ Einen letzten Höhepunkt der Antipathie gab es 1993. Vier Skinheads hatten in der westdeutschen Stadt Solingen das Wohnhaus einer türkischen Einwandererfamilie angesteckt. Das Ehepaar Mevlüde und Durmuş Genç verlor zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte. Vierzehn Familienmitglieder überlebten mit knapper Not. Damals schickten mehr als eine Million Niederländer Postkarten an den Bundeskanzler mit der Aufschrift: „Wir sind wütend.“ Kurz darauf stellte die sogenannte Clingendaal-Untersuchung unter niederländischen Schülern ein äußerst negatives Bild vom deutschen Nachbarn fest - fünfzig Jahre nach Kriegsende. Mehr als andere Länder erschien Deutschland den niederländischen Jugendlichen als „kriegslüstern“, es wolle „die Welt beherrschen“. Zugleich zeigte sich, dass es bei ihnen einen bestürzenden Mangel an Wissen über Deutschland gab.

    Deutschland sei „anständig“
    Diese Studie setzte einiges in Bewegung. 1996 wurde das Duitsland-Instituut in Amsterdam gegründet, um den Nachbarn aus niederländischer Perspektive zu betrachten und Lehrer, Schüler und die Öffentlichkeit über Deutschland aufzuklären. Dem Direktor Ton Nijhuis war aufgefallen, dass bis 1995 die Antipathien größer statt kleiner geworden waren. Die Nachkriegsgeneration war kritischer gegenüber den Deutschen eingestellt als jene, die den Krieg selbst miterlebt hatte. „Sie hatten keine eigene Erfahrung mit der Besatzung, aber jede Menge antideutscher Gefühle.“

    Doch Deutschland, so Nijhuis, taugte da nicht mehr als warnendes Beispiel. Das Land hatte die Wiedervereinigung mit Anstand geschafft und sich vehementer gegen Fremdenfeindlichkeit gestellt und länger die Grenzen offengehalten als fast alle Nachbarn. „Deutschland ist eines der wenigen Länder, das nicht so stark infiziert ist vom rechten Populismus“, sagt Nijhuis. Und dann wählt er ein besonderes Wort: Deutschland sei „anständig“.

    Kratzer am Bild der toleranten Niederlande
    Es sollte aber noch ein paar Jahre dauern, bis „Deutschland nach 1945“ zum Abiturthema im niederländischen Geschichtsunterricht avancierte. Vorher hatte sich die Wissensvermittlung über Deutschland vor allem auf den Zeitabschnitt von 1933 bis 1945 beschränkt. Kein Wunder, dass viele Schüler nur geringe Vorstellungen über den Stand der Demokratie in ihrem Nachbarland hatten. Zur niederländischen Identität als dem kleineren Land, so Nijhuis, gehöre das Bewusstsein einer besonderen Rolle in der Welt. „Wenn wir schon kleiner sind, dann wollen wir wenigsten moralisch überlegen sein: ,Wenn alle Welt so wäre wie die Niederlande, dann wäre sie besser.‘“ Das sei die Grundlage allen politischen Denkens gewesen und der sichtbare Ausdruck dafür der erhobene Zeigefinger.

    Als das neue Jahrtausend begann, gerieten die Niederlande ins Schlingern. Das Land, das so gewöhnt war, alle wesentlichen Dinge ohne Gewalt zu lösen, erlebte zwei politische Morde. Der Filmemacher Teo van Gogh starb auf einem Fahrradweg mitten im Amsterdam, der Politiker Pim Fortuyn auf einem Parkplatz in Hilversum hinter dem Fernsehstudio. Die niederländische Geschichte kannte keine solchen Gewaltausbrüche. Den letzten politischen Mord - wenn man von der Besatzungszeit absieht - hatte es 1584 gegeben, als der erste Oranier, Willem de Zwijger, von einem katholischen Fanatiker umgebracht worden war.

    Dazu kam das Versagen der niederländischen Blauhelme in der UN-Schutzzone von Szrebreniza, das den Rücktritt der Regierung erzwang, was zu einer Phase der innenpolitischen Instabilität führte. Eine Weile sah es so aus, als ob die niederländische Utopie unterginge: Das Land durchlief schwere Zeiten, die vielgerühmte Toleranz schien aufgebraucht, und fremdenfeindliche Parteien erlebten einen regen Zulauf, der bis heute nicht abgeebbt ist.

    Deutsch als Fremdsprache nach wie vor nicht hoch im Kurs
    So schwer die Zeiten waren, dem Verhältnis zu Deutschland schadeten sie nicht – im Gegenteil. Die neue Nähe zeigte sich auch in der Sprache. Vor noch nicht allzu langer Zeit galten deutsche Wendungen als unerwünschte Fremdwörter. Doch inzwischen sind sie so salonfähig im Niederländischen wie das deutsche Wort „salonfähig“ selbst. Es gibt auf einmal „Oktoberfeste“, „Weizenbier“, und die „Energiewende“ ist in aller Munde. Restaurants werben mit „Berliner Flair“, und an der Prinzengracht kann man „Curry-Wurst“ essen. Im Café Blauwbrug an der Amstel wird in der kalten Jahreszeit „Glühwein“ für drei Euro angeboten und auf der Schiefertafel richtig buchstabiert. Manche deutschen Vokabeln vermählen sich mit englischen und führen dann ein Eigenleben. Eine Ministerin räumte neulich im Interview ein, sie sei eine „Überbitch“. Wenn Veränderungen in der Sprache auf Veränderungen in der Gesellschaft hindeuteten, so schreibt Sietse van der Hoek, dann seien die Niederlande gerade dabei, deutscher zu werden.

    Deutsch als Fremdsprache ist allerdings immer noch kein großer Renner, und es ist gut möglich, dass Besucher aus Deutschland bald überall in den Niederlanden Englisch sprechen müssen. Die deutsche Sprache führt mittlerweile ein Nischendasein. Die ältere Generation der Niederländer versteht sie noch, aber spricht nicht so gerne Deutsch. Die Jüngeren machten sich lange Zeit gar nicht erst die Mühe, es zu lernen.

    Der Deutsche ist und bleibt gehorsam
    Doch es gibt durchaus Versuche, den Trend umzukehren. Jahr für Jahr findet inzwischen ein landesweiter Mitmach-Tag statt, an dem Schüler und Studenten für das Fach Deutsch begeistert werden sollen. Offenbar mit Erfolg: Mittlerweile werden händeringend Deutschlehrer gesucht. Dafür gibt es handfeste Gründe. Die Handelskammer hat einmal ausgerechnet, was die Niederländer ihre Lernfaulheit bezüglich der deutschen Sprache kostet. Heraus kam die stattliche Summe von sieben Milliarden Euro an jährlich entgangenem Umsatz.

    Natürlich ist nicht mit einem Mal alles gut an Deutschland. Wir sind weiter unter Beobachtung. Wouter Meijer moniert einen verkrampften Umgang der deutschen Journalisten mit der extremen Rechten. Die Medien hätten Scheuklappen auf vor lauter politischer Korrektheit und ließen sich leicht vor den Karren der Regierung spannen. Andere Autoren sorgen sich um Deutschlands mangelnde Bereitschaft zur Führung. Oder um das Gegenteil: das Hegemonialstreben.

    Zu den Dingen, die den Niederländern im deutschen Alltag missfallen, gehört unser Verhalten an roten Ampeln. Für Sietse von der Hoek steht fest, dass Deutsche vor roten Ampeln warten, auch morgens um drei, wenn weit und breit kein Auto kommt. Mit dieser Beobachtung steht er nicht allein. Wo man sich unter Neuberlinern mit niederländischem Pass auch umhört, in einem sind sie sich einig: „Alle bleiben an der roten Ampel stehen, selbst nachts.“ Kurz gesagt: Der Deutsche ist und bleibt gehorsam.


    Der Verfasser, geboren 1957, war ARD-Korrespondent in Skandinavien und dem Baltikum. In den letzten Jahren berichtete er auch aus den Niederlanden.



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